INNSBRUCK. Im Garten des Caritas-Integrationshauses der Diözese Innsbruck steht Westösterreichs Ă€ltestes und einzig funktionierendes Minarett. Es ist damit das mittlerweile fĂŒnfte Österreichs. „Die Presse am Sonntag“ hatte das vierte in Saalfelden entdeckt.


Anders als in Telfs hallt in Innsbruck sogar jeden Freitag sowie an hohen muslimischen Feiertagen der Gebetsruf des Imams aus dem Lautsprecher. Dennoch steht das TĂŒrmchen seit sieben Jahren unbehelligt mitten in Innsbruck.

Der fĂŒnf Meter hohe, hölzerne Minarett geht auf die Aktion „72 Stunden ohne Kompromiss“ der Katholischen Jugend Österreichs zurĂŒck. Im Jahr 2002 bauten Jugendliche christlichen und muslimischen Glaubens einen Glockenturm und ebendieses Minarett. „Wir hatten im Integrationshaus schon damals eine Kapelle sowie einen muslimischen Gebetsraum, aber Glockenturm und Minarett dazu fehlten“, erklĂ€rt der Chef des Hauses, Jussuf Windischer. Heute nutzen vor allem afrikanischstĂ€mmige Muslime den Gebetsraum. Als das Minarett gebaut wurde, waren es vornehmlich bosnische Moslems. Davon zeugt das Kupferdach samt Halbmond, das die Minarettspitze ziert, das ein aus Bosnien stammender Moslem gespendet hat. Windischer schmunzelnd: „Der Mann lebt seit 15 Jahren in Tirol und repariert normalerweise katholische KirchtĂŒrme. Es war sein erstes Minarettdach.“

Das Integrationshaus gehört der Diözese Innsbruck, weshalb fĂŒr den Minarettbau auf katholischem Boden der Sanktus des damaligen Bischofs Alois Kothgasser nötig war. „Der Bischof stimmte sofort zu, weil er es als SelbstverstĂ€ndlichkeit im Rahmen der Religionsfreiheit angesehen hat“, erzĂ€hlt Windischer. Um Konflikte zu vermeiden, wurden die Nachbarn vom Bau informiert und zu einer Diskussion eingeladen. Die verlief ohne Streitereien, so Windischer: „Der einzige Einwand seitens der Anrainer bezog sich auf die Zeiten des Gebetsrufes. Wir einigten uns darauf, dass frĂŒhmorgens und nachts kein Ruf ertönt.“ Die meisten Innsbrucker wissen gar nichts von seiner Existenz. Windischer: „Unser Minarett ist kein Machtsymbol, sondern Zeichen gegenseitiger WertschĂ€tzung. Man muss vorm Islam keine Angst haben"

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2009)